M&A ist für Transport- und Logistikunternehmen weiterhin ein wichtiger Faktor, um die hohen Anforderungen des wirtschaftlichen Umfelds zu bewältigen. Wir beleuchten die größten Herausforderungen sowie strategische Prioritäten im Zusammenhang mit Deal-Aktivitäten aus Sicht von Branchenunternehmen.

Der Beitrag wurde verfasst von unseren Experten Stephane Müller und Thomas Nacken.

Die Logistikbranche gehörte in den vergangenen Jahren zu den bevorzugten Industrien für Investoren. Strategische und Finanzinvestoren sorgten noch im Corona-Jahr 2021 für neue Rekorde an Transaktionen. Die Pandemie hat dazu nicht unwesentlich beigetragen. Der Fokus auf die Stabilität der Transportketten und alternativen Transportwegen hat speziell bei strategischen Investoren die Zahl der Transaktionen nach oben getrieben. Mittlerweile hat sich der Markt etwas abgekühlt. Sowohl das Transaktionsvolumen als auch die Valuation-Multiples waren 2022 rückläufig (mit sinkender Tendenz). Bei näherer Betrachtung gilt der generelle Wachstumstrend aber als intakt, die Investoren agieren jedoch deutlich zielgerichteter.

Herausforderungen und strategische Prioritäten

In der Logistikbranche wird es trotz der Auswirkungen der Corona-Pandemie und des Ukraine-Konfliktes voraussichtlich nicht ruhiger werden. Während kurzfristige Faktoren wie steigende Benzin- und Energiepreise sowie Unsicherheit das kurz- und mittelfristige Branchenklima trüben, ist es für Unternehmen entscheidend, langfristige Herausforderungen nicht aus den Augen zu verlieren.

Nachhaltigkeit ist eine der größten und wichtigsten Herausforderungen in dieser Zeit. Dabei geht es um mehr als die Einhaltung von ökologischen Grenzwerten und Standards. Immer mehr Unternehmen müssen in Zukunft darüber berichten, wie nachhaltig sie arbeiten. Zur Reduktion der Emissionen werden neben technischen Neuerungen Kapazitäten gesichert, die das Nearshoring produzierender Unternehmen unterstützen, die Kreislaufwirtschaft vorantreiben (im Sinne einer Circular Economy) und eine Frachtverlagerung von der Straße auf die Schienen ermöglichen.

Bei der Verfügbarkeit von Ressourcen spielen zwei Faktoren eine zentrale Rolle: Kapazitäten und Fachkräfte. Neue Kapazitäten konnten nur langsam und über hohe Preise geschaffen werden. Fachkräftemangel ist ein weiterer wichtiger Faktor, der nicht nur die Logistikbranche fest im Griff hat. Supply Chain-Lösungen wie Transport-, Waren- und Yard-Management-Systeme bilden das Fundament für eine erfolgreiche Digitalisierung der Lager- und Transportlogistik. Nicht nur einzelne Softwareelemente sind dabei relevant, für Unternehmen ist ein kombiniertes System, das verschiedene Elemente verknüpft, besonders attraktiv. Der Fachkräftemangel besonders im IT-Bereich sorgt dafür, dass Unternehmen bevorzugt auf M&A zurückgreifen.

Die Erwartungen von direkten Kunden und Konsumenten steigen weiter und erst wenige Jahre alte Differenzierungsfaktoren werden als Muss-Kriterien angesehen. Kunden erwarten von Logistikern eine größere Wertschöpfungstiefe. Gezielte Übernahmen bieten insbesondere großen multinationalen Konzernen die Möglichkeit, die Wertschöpfungskette zu vertiefen und die Absatzkanäle besser zu kontrollieren.

Während der Krisen haben viele Unternehmen festgestellt, dass ihre Lieferketten nicht krisenfest sind. Die Abhängigkeit von Zulieferern aus Fernost war häufig ein Grund für Verspätungen von Komponenten und Hilfsmitteln. Die Diversifizierung der Lieferantenbasis und -kette kann Unternehmen dabei helfen, diese Risiken zu verringern. Sowohl strategische als auch Finanzinvestoren können dabei an einigen operativen Stellschrauben wie der Beschaffung, Produktion und Technologie drehen und somit von Skaleneffekten profitieren.

Fazit

Die Herausforderungen im Logistikbereich sind mannigfaltig. Kaum ein anderer Sektor sieht sich derzeit derart vielen strukturellen Änderungen gegenüber. Aus eigener Kraft sind die Herausforderungen angesichts der Ressourcenengpässe kaum zu bewältigen. Es bleibt der Ausweg über Transaktionen. Wenngleich eine neue M&A-Welle kurzfristig nicht zu erwarten ist, bleibt das Transaktionsumfeld agil. In dem noch weitgehend fragmentierten Markt ist insbesondere bei Unternehmen mit hohem Spezialisierungsgrad eine anhaltende Konsolidierung wahrscheinlich.