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IFRS 18 in SAP S/4HANA: Auswirkungen auf ERP-Systeme und Transformationsprojekte

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Übersicht

Mit IFRS 18 „Presentation and Disclosure in Financial Statements“ gelten ab dem 1. Januar 2027 neue Anforderungen an die Darstellung von Finanzabschlüssen. Die Änderungen betreffen nicht nur Accounting- und Reportingprozesse, sondern haben auch direkte Auswirkungen auf ERP-Systeme wie SAP S/4HANA. Unternehmen sollten frühzeitig prüfen, welche Anpassungen an Datenmodellen, Reportingstrukturen und Systemprozessen erforderlich sind.

INHALTE

IFRS 18: Neue Anforderungen an die Finanzberichterstattung

Mit IFRS 18 „Presentation and Disclosure in Financial Statements“ hat das International Accounting Standards Board (IASB) einen neuen Standard veröffentlicht, der die Darstellung von Finanzabschlüssen grundlegend verändert. Damit werden wesentliche Bestandteile des bestehenden Standards IAS 1 „Darstellung des Abschlusses“ abgelöst. IFRS18 definiert klarere Regeln dafür, wie Unternehmen ihre Erträge und Aufwendungen darstellen und zusätzliche Informationen offenlegen müssen. Ziel des neuen Standards ist es, die Vergleichbarkeit von Finanzberichten zu verbessern und eine klarere Struktur der Gewinn- und Verlustrechnung zu schaffen. 

Der Standard ist für Geschäftsjahre ab dem 1. Januar 2027 verpflichtend anzuwenden. Die Anwendung muss auch retrospektiv erfolgen: Das bedeutet: Die  Vergleichsperiode 2026 muss nach den neuen Regeln dargestellt und erklärt werden. Besonders relevant wird das bereits in den Halbjahresabschlüssen zum 30. Juni 2027, die ebenfalls eine IFRS‑18‑konforme Darstellung inklusive Vergleichsperiode erfordern.

Kern der Änderungen ist die Neustrukturierung der Gewinn‑ und Verlustrechnung. IFRS 18 schreibt vor, dass Erträge und Aufwendungen künftig in Kategorien zugeordnet werden müssen. Diese Kategorien werden von IFRS18 wie folgt definiert:

  • Operativ
  • Investiv
  • Finanzierung
  • Ertragsteuern
  • Aufgegebene Geschäftsbereiche 

Daraus ergeben sich zwei neue verpflichtende Zwischensummen:

  •  operativer Gewinn oder Verlust und
  • Gewinn oder Verlust vor Finanzierung und Ertragsteuern.

Diese Struktur schafft eine klarere Trennung zwischen operativen Ergebnissen, Kapitalallokation und Finanzierungstätigkeiten.

Außerdem ergeben sich durch IFRS18 erweiterte Anforderungen an die Anhangangaben, insbesondere bei den „Management‑Defined Performance Measures“ (MPMs). Hierzu gehören viele KPIs, die Unternehmen heute bereits kommunizieren, etwa Adjusted EBITDA oder Core Earnings. Unter IFRS 18:

  • müssen MPMs verpflichtend im Anhang offengelegt werden,
  • benötigen Unternehmeneine Überleitungsrechnung auf die nächste IFRS‑konforme Zwischensumme,
  • sind Methodik, Berechnung und Begründung im Detail zu erläutern.

Des Weiteren führt IFRS18 strengere Leitlinien für Aggregation und Disaggregation ein und gibt dadurch an, wann Posten zusammengefasst oder aufgeschlüsselt werden müssen. Ziel ist ein ausgewogenes Informationsniveau: nicht zu detailliert, aber auch nicht zu aggregiert. „Sonstige Positionen“ werden damit stärker eingeschränkt. Unternehmen müssen künftig genauer beurteilen, welche Informationen für die Abschlussadressaten wesentlich sind.

Auch die Kapitalflussrechnung wird angepasst. Bei der indirekten Methode startet die Kapitalflussrechnung künftig immer mit dem „operativen Ergebnis“ aus der neu definierten Gewinn‑ und Verlustrechnung. Zudem entfallen Wahlrechte: Zins- und Dividendencashflows müssen einheitlich den Kategorien „Investition“ oder „Finanzierung“ zugeordnet werden.

Auswirkungen von IFRS 18 auf SAP S/4HANA und ERP-Systeme

Es ergeben sich einige Änderungen und Anforderungen durch die Einführung von IFRS18. Das hat direkte Auswirkungen auf ERP-Systeme – insbesondere auf SAP S/4HANA-Landschaften, in denen zentrale Finanz- und Reportingprozesse abgebildet sind. Die neue Struktur der Gewinn- und Verlustrechnung, strengere Vorgaben zur Aggregation und Disaggregation, neue Zwischensummen sowie umfangreichere Anhangangaben führen zu erheblichen Anpassungsbedarfen in SAP S/4HANA.

Um die neuen Kategorien der Gewinn- und Verlustrechnung sauber abzubilden, müssen sowohl die Systemarchitektur als auch die Kontenpläne überarbeitet werden. Das betrifft vor allem

  • neue oder umgegliederte Sachkonten für operative, investive und finanzierungsbezogene Vorgänge,
  • ergänzte Funktionsbereichskonten für das Umsatzkostenverfahren, sowie
  • erweiterte Mapping‑Regeln.

Unternehmen müssen zudem sicherstellen, dass die Anhangangaben und MPM‑Überleitungsrechnungen mit passenden Konten und Strukturen hinterlegt sind.

Im Universal Journal (ACDOCA), dem zentralen Datenbestand von S/4HANA, benötigen Unternehmen künftig:

  •  eine harmonisierte Kontierung
  • vollständige Controlling‑Attribute wie Kostenstellen und Funktionsbereiche,
  • zusätzliche Felder zur Kennzeichnung der IFRS‑18‑Kategorie,
  • und konsistente Logiken für operative Zwischensummen.

Für ein IFRS‑18‑konformes Umsatzkostenverfahren müssen Funktionsbereiche vollständig und systemisch sauber abgeleitet werden. Relevante Mechanismen in S/4HANA sind dabei die Konten und Kontenpläne, Kostenstellen und Funktionsbereiche. IFRS 18 erfordert neue bzw. überarbeitete Ableitungslogiken, um Erträge und Aufwendungen regelbasiert zuzuordnen. Deshalb empfiehlt es sich, die Ableitung der Funktionsbereiche systemisch über ein Kostenstellen‑Mapping zu steuern.

Durch IFRS 18 verändern sich auch die Reportingstrukturen. Unternehmen müssen prüfen, ob ihre bestehenden Reports, SAC‑Dashboards, Fiori‑Apps oder Excel‑Ableitungen angepasst werden müssen. Eine neue Strukturierung der Financial Statement Version (FSV) kann außerdem erforderlich sein.

Zusätzlich muss eine retrospektive Anwendung für IFRS18 erfolgen. Das bedeutet, dass der Abschluss im Jahr 2026 einmal nach IAS 1 und einmal nach IFRS 18 (für den Vergleichsabschluss 2027) verfügbar sein muss. SAP Group Reporting unterstützt diese Anforderungen mit Parallel-Versionen und Validierungsfunktionen. Allerdings müssen Unternehmen ihre Systeme aktiv anpassen. 

IFRS 18 im Kontext von S/4HANA-Transformationsprojekten

IFRS 18 gewinnt besonders an Bedeutung für Unternehmen, die gerade eine S/4HANA‑Transformation durchlaufen oder sich in der Planungsphase befinden. In solchen Projekten wird das Fundament für die zukünftigen Finanzprozesse gelegt und damit auch die Basis, auf der die neuen Anforderungen von IFRS 18 umgesetzt werden müssen. 

Die Einführung eines neuen ERP‑Systems bietet zwar die Chance, regulatorische Vorgaben direkt in das Systemdesign zu integrieren. Gleichzeitig erhöht der neue Standard jedoch die Komplexität von Transformationsprojekten erheblich. Denn IFRS 18 verändert einiges am Datenmodell im Universal Journal. Diese Elemente sollten bestenfalls früh im Projekt definiert werden, denn eine spätere Korrektur ist meist zeit- und kostenintensiv. 

Deshalb sollten Unternehmen die Vorgaben von IFRS‑18 frühzeitig in die Projektplanung aufnehmen und systematisch prüfen, welche Auswirkungen der Standard auf die Zielarchitektur, das Datenmodell und die Reportinganforderungen hat. Eine aktive Berücksichtigung während der Transformation reduziert Risiken und vermeidet Doppelaufwände. Dies sorgt dafür, dass das zukünftige S/4HANA‑System sowohl regulatorisch konform als auch zukunftssicher aufgestellt ist.

Für viele Unternehmen entsteht dadurch ein klarer Beratungsbedarf: IFRS 18 und S/4HANA‑Transformation müssen fachlich und technisch gemeinsam gedacht werden.

Chancen für modernere Finanz- und Reportingprozesse

IFRS 18 bringt nicht nur neue Verpflichtungen mit sich. Der Standard eröffnet Unternehmen auch die Möglichkeit, ihre Finanz‑ und Reportingprozesse grundlegend zu modernisieren. Viele Organisationen nutzen regulatorische Veränderungen als Impuls, um ihre Finanzarchitektur weiterzuentwickeln und bestehende Strukturen zu harmonisieren. Mit den technologischen Möglichkeiten von SAP S/4HANA kann dieser Wandel gezielt unterstützt werden.

Ein großer Vorteil liegt in der Harmonisierung von Datenmodellen. Die neuen Kategorien der Gewinn- und Verlustrechnung erfordern eine klarere Strukturierung von Konten, Funktionsbereichen und Zuordnungsregeln. Dies bietet die Chance, komplexe oder historisch gewachsene Kontenpläne zu bereinigen und die Datenqualität zu erhöhen.

Zudem ermöglicht IFRS 18 eine Modernisierung des Reportings. Durch die stärkere Standardisierung werden Berichtsmodelle übersichtlicher und automatisierbarer. Unternehmen können diese Veränderungen nutzen, um ihre Reportinglandschaft neu zu gestalten. Hierfür können moderne Analytics‑Werkzeuge, wie zum Beispiel die SAP Analytics Cloud, stärker eingebunden werden.

Wenn Kategorien, Funktionsbereiche und Mappingregeln klar definiert sind, lassen sich Abschlussprozesse deutlich effizienter gestalten. Weniger manuelle Eingriffe bedeuten weniger Fehler, kürzere Durchlaufzeiten und eine höhere Transparenz.

Handlungsempfehlungen für Unternehmen

Auch wenn IFRS 18 erst zum 1. Januar 2027 verpflichtend wird, sollten Unternehmen die Weichen schon heute stellen. Die Umsetzung erfordert eine gesamte Daten- und Prozessanpassung in SAP S/4HANA-Systemen oder Transformationsprojekten.

Ein sinnvoller erster Schritt ist eine frühzeitige Impact-Analyse. Hierbei sollte geklärt werden, welche Konten, Funktionsbereiche, Mappingregeln und Reportingstrukturen betroffen sind. Außerdem sollten die Auswirkungen von IFRS18 auf bestehende Abschlüsse oder lokale Anforderungen geklärt werden. Diese Bewertung bildet die Grundlage für ein strukturiertes Vorgehen.

Parallel dazu sollten Unternehmen prüfen, wie die neuen Anforderungen in laufende oder geplante ERP- und S/4HANA‑Transformationsprojekte integriert werden können. Wer die IFRS‑18‑Logik erst nach der Systemimplementierung nachzieht, riskiert doppelte Aufwände und technische Komplexität. Eine frühzeitige Berücksichtigung in der Zielarchitektur hilft dabei, Kontenpläne sauber aufzubauen und Reportingmodelle von Anfang an IFRS‑konform zu gestalten. Darauf aufbauend empfiehlt sich ein systematischer Umsetzungsplan, der die fachliche Transformation mit technischen Maßnahmen verbindet.

Grant Thornton in Deutschland unterstützt Unternehmen dabei, die Auswirkungen von IFRS 18 auf ihre Systemlandschaft zu analysieren und geeignete Lösungsansätze für ERP- und Transformationsprojekte zu entwickeln. Sie haben Fragen zu dieser Thematik oder zum Reporting nach IFRS 18? Sprechen Sie unsere Experten gerne an!

 

Dieser Beitrag wurde von unserer Expertin Jasmin Mörtl und unseren Experten Alexander Barth und Jens Brune verfasst.