Unternehmensbewertung

FAUB senkt Empfehlung zur Marktrisikoprämie erneut

Von: Prof. Dr. Martin Jonas, Dr. Christian Deyerler

Übersicht

Der FAUB hat in seiner Sitzung am 12. Oktober 2026 beschlossen, die Empfehlung zur Marktrisikoprämie anzupassen. Die neue Empfehlung beträgt 4,50 bis 6,00 Prozent vor persönlichen Ertragsteuern sowie 4,00 bis 5,25 Prozent nach persönlichen Ertragsteuern.

INHALTE

Gründe für die Anpassung der Marktrisikoprämie

Der FAUB verfolgt bei der Ableitung der Marktrisikoprämie weiterhin einen pluralistischen Ansatz. In die Beurteilung fließen historisch gemessene nominale und reale Aktienrenditen, historische Marktrisikoprämien sowie zukunftsorientierte Ex-ante-Analysen impliziter Aktienrenditen ein.

Weiter gestiegener Basiszinssatz: Seit der Empfehlung vom 22. September 2025 hat sich der aus der Zinsstrukturkurve unter Anwendung der Svensson-Methode abgeleitete barwertäquivalente Basiszinssatz weiter erhöht. Bei unveränderter Marktrisikoprämie würde dies rechnerisch zu einer höheren Gesamtrendite führen.

Stabilisierung impliziter Renditeerwartungen: Die impliziten Renditeerwartungen am Aktienmarkt haben sich im Jahr 2026 stabilisiert. Dies spricht ceteris paribus ebenfalls für eine Reduktion der Marktrisikoprämie.

Plausibilisierung anhand der Gesamtrendite: Eine unveränderte Anwendung der Bandbreite aus dem Jahr 2025 hätte im aktuellen Zinsumfeld zu einer rechnerischen Gesamtrendite oberhalb der empirisch beobachtbaren Bandbreite von rund 6 bis 10 Prozent in einem normalen Inflationsumfeld geführt. 

Die neue Empfehlung reduziert die Marktrisikoprämie gegenüber der vorherigen Bandbreite sowohl vor als auch nach persönlichen Ertragsteuern. Bei der konkreten Festlegung innerhalb der Bandbreite sind der Bewertungsanlass, der Bewertungsstichtag und die jeweiligen Kapitalmarktverhältnisse sachgerecht zu würdigen.

Entwicklung der Empfehlungen zur Marktrisikoprämie

Die Empfehlungen des FAUB zur Marktrisikoprämie wurden seit ihrer Einführung mehrfach an veränderte Rahmenbedingungen angepasst. Zur Einordnung der aktuellen Empfehlung gibt die folgende Entwicklung einen Überblick:

2004: Einführung der Empfehlung
Am 10. Dezember 2004 veröffentlichte der FAUB erstmals eine Empfehlung zur Marktrisikoprämie. Für Bewertungsstichtage nach dem 31. Dezember 2004 wurde folgende Bandbreite empfohlen:

  • 4,0 bis 5,0 Prozent vor persönlichen Ertragsteuern
  • 5,0 bis 6,0 Prozent nach persönlichen Ertragsteuern

Diese Werte sind auch in einer früheren Grant Thornton-Publikation zur Entwicklung der FAUB-Empfehlungen dokumentiert.

2008: Anpassung an die Abgeltungsteuer
Mit der Einführung der Abgeltungsteuer zum 1. Januar 2009 änderte sich das deutsche Steuersystem. Der FAUB passte seine Empfehlung entsprechend an:

  • 4,5 bis 5,5 Prozent vor persönlichen Ertragsteuern
  • 4,0 bis 5,0 Prozent nach persönlichen Ertragsteuern

2012: Reaktion auf die Finanz- und Schuldenkrise
Vor dem Hintergrund der anhaltenden Finanzmarkt- und Schuldenkrise erhöhte der FAUB am 19. September 2012 die empfohlenen Bandbreiten:

  • 5,5 bis 7,0 Prozent vor persönlichen Ertragsteuern
  • 5,0 bis 6,0 Prozent nach persönlichen Ertragsteuern

2019: Historisch niedrige Zinsen
Im Jahr 2019 erreichte das Zinsumfeld eine außergewöhnliche Situation. Der barwertäquivalente Basiszinssatz lag faktisch bei null Prozent und drohte negativ zu werden. Der FAUB beschloss daraufhin in seiner Sitzung am 22. Oktober 2019 eine erneute Anpassung:

  • 6,0 bis 8,0 Prozent vor persönlichen Ertragsteuern
  • 5,0 bis 6,5 Prozent nach persönlichen Ertragsteuern

2025: Anpassung an das veränderte Zinsumfeld
Im September 2025 passte der FAUB seine Empfehlung erneut an. Für Bewertungsstichtage ab dem 22. September 2025 galten:

  • 5,25 bis 6,75 Prozent vor persönlichen Ertragsteuern
  • 4,50 bis 5,75 Prozent nach persönlichen Ertragsteuern

Maßgeblich waren insbesondere der seit 2022 deutlich gestiegene Basiszinssatz, die Normalisierung der Zinsstrukturkurve sowie rückläufige implizite Renditeerwartungen am Aktienmarkt.

Fazit

Mit der erneuten Reduzierung der Marktrisikoprämie trägt der FAUB insbesondere dem weiter gestiegenen Basiszinssatz und den stabilisierten impliziten Renditeerwartungen Rechnung. Unternehmen, Wirtschaftsprüfer und Bewertungssachverständige erhalten damit eine aktualisierte Orientierung für ihre Unternehmensbewertungen. 

Als Mitglied des FAUB ist unser Partner Prof. Dr. Martin Jonas an der Empfehlung zur Marktrisikoprämie beteiligt.

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