Bei der Energiewende sind die Installateure das Zünglein an der Waage – dies schafft interessante attraktive Investitionsmöglichkeiten für Private Equity.
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Der Ausbau der Solaranlagen wird sich weiter beschleunigen

Deutschlands führende Position im Bereich der Solarenergie ist weitgehend auf den starken politischen Willen zurückzuführen, die Wirtschaft auf erneuerbare Energien umzustellen. Mehrere Faktoren werden diesen Trend weiter beschleunigen:

  1. Elektrizitätsverbrauch: Der Stromverbrauch in Deutschland wird deutlich steigen. Der Gesamtverbrauch wird im Jahr 2030 zwischen 648 und 740 TWh erreichen (18-26 Prozent mehr als 2018). Der Anstieg wird vor allem durch die privaten Haushalte und deren höheren Ausstattungsraten von Elektrofahrzeugen, Wärmepumpen, Klimaanlagen, etc. getrieben. Energieeffizienzmaßnahmen können diesen Anstieg nur teilweise kompensieren.

  2. Relative Solarstromkosten: Mit den laufenden Effizienzsteigerungen bei Photovoltaik (PV) Anlagen wird die Solarenergie zur kostengünstigsten Quelle elektrischer Energie (niedrigste Stromgestehungskosten (LCOE)). Darüber hinaus führt die Einführung der CO2-Steuer zu weiteren Preissteigerungen bei fossilen Alternativen. Während der Degressionseffekt für Solaranlagen abgeflacht ist, erwarten Experten für kleine PV-Anlagen eine weitere Senkung bis mindestens 2035.

  3. Umweltbewusstsein und Energieunabhängigkeit: Das zunehmende Bewusstsein für den Klimawandel ("Greta-Effekt"), vor allem bei der jüngeren Generation, sowie die Forderung nach Autarkie, erhöht die Anzahl an Personen, die Solaranlagen nicht (nur) aus wirtschaftlichen Gründen installieren.

Die privaten Betreiber weisen das größte Wachstum auf

Die Ampelkoalition hat sich das Ziel gesetzt, bis 2030 eine PV-Gesamtkapazität von 200 GW (2021: 60,6 GW) zu erreichen. Um diese Vorgabe zu erreichen, ist ein jährlicher Zubau von 15 GW erforderlich. Der Zubau im Jahr 2022 wird auf 6 GW geschätzt, 2023 sollen es 9 GW sein. Um den Auslastungsgrad bei weiterem Ausbau zu erhalten, muss die Nachfrage nach PV-Kapazität in den kommenden Jahren deutlich ansteigen. Das Wachstum fällt für Betreibergruppen von Solaranlagen unterschiedlich hoch aus: 

  1. Die privaten Betreiber von Solaranlagen setzen überwiegend auf Dachmodule, die seit 2013 zunehmend kombiniert mit Speicherlösungen angebracht werden. Aufgrund der in der Regel begrenzten Dachfläche (ca. 40-50 qm) sind dort Lösungen bis zu 10 KW gängig. Mit hocheffizienten Zellen lässt sich die Kapazität bis über 12 KW steigern. Private Betreiber sind in der Regel nicht vollkommen autark und beziehen beziehungsweise speisen weiterhin Energie aus und von den öffentlichen Stromnetzen. In Summe wird der Installationsbestand der privaten Betreiber auf 14 GW (etwa 23% der Gesamtkapazität) geschätzt. Sie weisen aktuell das höchste Wachstum auf.

  2. Institutionelle Betreiber sind meist öffentliche Einrichtungen und private Unternehmen, die mit größeren Anlagen (10-1.000 KW) ihren Strombedarf decken. Sie sind seltener mit Speichermodulen und hocheffizienten Zellen ausgestattet, da sie über deutlich mehr Fläche (in der Regel Dachfläche) verfügen. Die Treiber der Investitionen sind nicht immer nur rein monetärer Natur. Häufig kommen hier Environmental Social Governance – ESG Kriterien zum Tragen (zu Deutsch: Umwelt, Soziales und verantwortungsvolle Unternehmensführung), die sich nur mittelbar auszahlen. Der Anteil der institutionellen Betreiber wird auf 28 GW geschätzt (c.47 Prozent der Gesamtkapazität) geschätzt. Das Wachstum ist zurzeit eher moderat, da diese Betreiber aufgrund der aktuellen makroökonomischen Herausforderungen die Prioritäten anders gesetzt haben.

  3. Die versorgerähnlichen Betreiber („Utility Scale“) errichten Solarparks in der Regel in eigens dafür gekauften oder angemieteten Flächen mit bodenmontierten Solarmodulen. Sie betreiben Anlagen über 1.000 KW. Die Betreiber sind in der Regel fokussierte Investoren und Energieunternehmen, die mit den Solarparks und dem Verkauf von Solarstrom eine einträgliche Kapitalrendite erzielen möchten. Ihr Anteil liegt bei etwa 18 GW (ca. 30 Prozent der Gesamtkapazität). Auch hier schwächelte das Wachstum zuletzt aufgrund der hohen Finanzierungskosten.

Das stärkste Ausbauwachstum sehen Experten in den Installationen von kleinen PV-Systemen. Der jährliche Zubau wird nach Berechnungen bis 2025 mit einem CAGR von ca. 20 Prozent wachsen.

Der Staat facht die private Nachfrage nach Solaranlagen zusätzlich an

Dass die hohen Stromkosten nicht allein den gewünschten hohen Anstieg bewirken können, weiß auch der Gesetzgeber. Deswegen wird an zahlreichen regulatorischen Stellschrauben gedreht, um die Investition in Solaranlagen attraktiver zu gestalten. Zu den wichtigsten regulatorischen Treibern gehören:

  1. Einspeisevergütung und EEG-Umlagebefreiung: Die Einspeisevergütung ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gefallen. Dies hat sich seit Ende 2022 geändert. Speziell die Betreiber kleiner Anlagen erhalten nun eine höhere Vergütung von 8,2 Cent pro kWh. Bei größeren Anlagen wird der Solarstrom ab 10 kWp mit 7,1 EURct/kWh vergütet. Für diese ist seit Anfang 2023 auch keine Umsatzsteuer mehr fällig. Die Befreiung der EEG-Umlage auf den Eigenverbrauch galt bereits vor 2020 (zunächst bis 10 kw, dann bis 30 kw). In der zweiten Jahreshälfte 2022 fiel die EEG-Umlage ganz aus.

  2. CO2-Steuer: Im Jahr 2021 führte Deutschland eine CO2-Steuer ein, um den Energieverbrauch im Interesse des Klimaschutzes zu beeinflussen. Die Einführung der Steuer erhöht die Preise für Heizöl und Erdgas dauerhaft und treibt damit die Kosten für Heizen auf Basis fossiler Energieträger erheblich in die Höhe. Das Ziel der Steuer ist die verstärkte Substitution fossiler Brennstoffe durch PV-Anlagen.

  3. Verpflichtungen: Mehrere Bundesländer haben Regelungen eingeführt, die die Installation einer PV-Anlage für neu errichtete und renovierte Gebäude und Parkhäuser vorschreiben. Hamburg und Baden-Württemberg waren die ersten Bundesländer, die 2020 eine solche Verpflichtung in ihre Klimaschutzgesetze aufgenommen haben. Im Jahr darauf folgte die Stadt Berlin diesem Beispiel. Experten gehen davon aus, dass diese Verpflichtungen in den nächsten Jahren auch in weiteren Bundesländern eingeführt werden.

  4. KFW-Darlehen: Die Zeit der direkten Zuschüsse des Staates für PV-Anlagen ist 2023 ausgelaufen. Dafür wurde die Incentivierung durch KfW-Darlehen ausgebaut. Die KfW bietet derzeit einen vergünstigten Kredit für Einzelmaßnahmen, zum Beispiel die Installation von Solaranlagen, bis zu 50 Millionen Euro pro Projekt und bis zu 100 Prozent der Investitionskosten.

Der Engpass bleiben die Solarinstallateure

Es wird erwartet, dass die PV-Durchdringungsrate in Wohngebäuden von etwas über 10 Prozent im Jahr 2022 auf 15 Prozent bis 2025 steigen wird. Dies kommt einer Verdopplung der Anzahl jährlich installierter Anlagen gleich. Für die Branche der knapp 4.000 Installateure und Projektentwickler ist diese Erhöhung des Outputs nicht zu realisieren. Schon jetzt arbeiten die meisten Betriebe an der Kapazitätsgrenze. Um das weitere Wachstum stemmen zu können, benötigt es ehebliche Investitionen in Automatisierung, Personalaufbau (möglicherweise verknüpft mit der Verringerung der Qualifikationsanforderungen) und Erzielung von Skaleneffekten. Vor diesem Hintergrund ist mit einer fortschreitenden Konsolidierung in diesem Markt zu rechnen. Schon längst haben Private Equity Investoren diesen Trend erkannt und sind auf der Suche nach geeigneten Targets in diesem Bereich. So hat im vorigen Jahr Klar Partners den Einstieg bei der mittelständischen NWT Group vollzogen. Mit der aktuell mehrheitlich von Auctus gehaltenen Energiekonzepte Deutschland bahnt sich die nächste größere Transaktion an. Damit läuft der M&A-Markt in diesem Bereich dem aktuell rückläufigen Transaktionsgeschäft entgegen und bietet interessante Perspektiven für Investoren.

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