Wöchentliche, präzise Einordnungen aktueller BFH-Urteile. Alle relevanten Entscheidungen kompakt erklärt und praxisnah zusammengefasst.
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Die Bundesnetzagentur erarbeitet mit dem Festlegungsverfahren zur Allgemeinen Netzentgeltsystematik Strom (AgNes) eine Nachfolgeregelung für die Stromnetzentgeltverordnung (StromNEV), die Ende 2028 ausläuft. Die neue Systematik soll ab 2029 gelten. Nach dem aktuellen Entwurf drohen insbesondere stromintensiven Gesundheitseinrichtungen erhebliche Mehrbelastungen.
Der FAUB hat in seiner Sitzung am 12. Oktober 2026 beschlossen, die Empfehlung zur Marktrisikoprämie anzupassen. Die neue Empfehlung beträgt 4,50 bis 6,00 Prozent vor persönlichen Ertragsteuern sowie 4,00 bis 5,25 Prozent nach persönlichen Ertragsteuern.
Sanierungskosten für Grund und Boden sind nicht schon deshalb zu aktivieren, weil ein Grundstück wieder nutzbar wird. Entscheidend ist, ob die Maßnahme seinen Gebrauchswert gegenüber dem maßgeblichen Ausgangszustand wesentlich erhöht. Der BFH verwirft die Annahme einer „Zweitherstellung“ des Grund und Bodens. Allerdings kann eine frühere Teilwertabschreibung im Betriebsvermögen den Vergleichsmaßstab verschieben – mit unterschiedlichen Folgen für Miteigentümer desselben Grundstücks (BFH v. 21.08.2026 – IX R 13/25).
Vorstände und Geschäftsführer können für unternehmerische Fehlentscheidungen mit ihrem Privatvermögen haften. Wer sich dagegen absichern will, sollte wichtige Managemententscheidungen sorgfältig dokumentieren, sodass er sich im Ernstfall auf die Business Judgment Rule bzw. das sogenannte Geschäftsleiterermessen berufen kann. Diese Regel besagt, dass Vorstände und Geschäftsführer für unternehmerische Fehlentscheidungen nicht haften, wenn sie in gutem Glauben und auf angemessener Informationsgrundlage zum Wohl der Gesellschaft gehandelt haben. Wie eine belastbare Dokumentation hierfür aussehen muss, ist vielen Führungskräften aber nicht bewusst. Im Haftungsfall stellt sich dann heraus, dass entscheidende Inhalte fehlen oder relevante Unterlagen nicht mehr auffindbar sind. Wichtige Punkte, die oft übersehen werden, haben wir in diesem Beitrag zusammengestellt.
Piloten haben an ihrem Stationierungsflughafen regelmäßig ihre erste Tätigkeitsstätte – auch wenn sie dort außerhalb des Flugzeugs kaum tätig werden. Der BFH rechnet das in der Parkposition stehende Flugzeug der großräumigen Einrichtung „Flughafen“ zu. Flugvorbereitende Tätigkeiten im Cockpit, etwa die Überwachung der Betankung und die obligatorischen Sicherheitskontrollen, genügen daher als berufstypische Tätigkeit am Ort der ersten Tätigkeitsstätte. Fahrten zwischen Wohnung und Flughafen sind nur mit der Entfernungspauschale abziehbar. Erst mit dem Verlassen der Parkposition wird das Flugzeug zur mobilen Tätigkeitsstätte (BFH v. 09.09.2026 – VI R 4/25).
Veräußert der unentgeltliche Rechtsnachfolger erhaltene Anteile innerhalb der siebenjährigen Sperrfrist, entsteht rückwirkend ein Einbringungsgewinn I (§ 22 Abs. 1 Satz 1 UmwStG). Wem dieser Gewinn zuzurechnen ist, war umstritten, weil § 22 Abs. 6 UmwStG den Rechtsnachfolger als Einbringenden fingiert. Der X. Senat des BFH hat jetzt entschieden: Der Gewinn ist dem ursprünglich Einbringenden zuzurechnen. Eine Stiftung als Erbin versteuert ihn daher nicht mit Körperschaftsteuer, sondern als Gesamtrechtsnachfolgerin zum Einkommensteuertarif der Erblasserin. Den insoweit eindeutigen Wortlaut reduziert der BFH teleologisch (BFH v. 22.09.2026 – X R 8/24).
Die steuerneutrale Übertragung von Sonderbetriebsvermögen im Vorfeld eines Formwechsels ist in der Beratungspraxis ein beliebtes, aber risikobehaftetes Gestaltungselement. Das Finanzgericht (FG) Sachsen-Anhalt hat aktuell entschieden, dass bereits eine zeitliche Differenz von zehn Tagen und eine fehlende rechtliche Verknüpfung der Umsetzungsschritte zur rückwirkenden Aufdeckung stiller Reserven führen können. Die Revision gegen das Urteil ist beim Bundesfinanzhof (BFH) anhängig, sodass die Frage noch nicht abschließend geklärt ist.
Der Auslandstätigkeitserlass (ATE) stellt auf Grundlage des § 34c Abs. 5 EStG Arbeitslohn für bestimmte Auslandstätigkeiten steuerfrei, darunter Tätigkeiten im Rahmen der deutschen öffentlichen Entwicklungshilfe. Die Finanzverwaltung durfte dies auf Projekte beschränken, die unmittelbar aus deutschen Haushaltsmitteln finanziert werden. Vorhaben des Europäischen Entwicklungsfonds (EDF) fallen nicht darunter. Nachdem der EuGH die Praxis für unionsrechtskonform erklärt hat, bestätigt sie auch der BFH: Gerichte prüfen nur, ob die Auslegung allgemeiner Verwaltungsanweisungen möglich und nicht willkürlich ist (BFH v. 02.09.2026 – I R 51/23 (I R 20/18)).
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Das Bundesministerium der Finanzen (BMF) hat mit Schreiben vom 20. Oktober 2026 auf das Urteil des Bundesfinanzhofes (BFH) vom 11. Dezember 2025 (IV R 17/23, DStR 2026, 395) reagiert: Bei teilentgeltlichen Übertragungen von Einzelwirtschaftsgütern nach § 6 Abs. 5 Satz 3 Einkommensteuergesetz (EStG) entsteht in allen offenen Fällen ein Gewinn nur noch, soweit das Entgelt den Buchwert übersteigt. Die Finanzverwaltung verwirft die „strenge Trennungstheorie“ und hebt ihren Nichtanwendungserlass aus dem Jahr 2013 auf. Der Beitrag zeigt, was sich ändert, wo das Schreiben über das Urteil hinausgeht, warum Verlustfälle zur Falle werden können und für wen sich der Antrag auf Anwendung der alten Rechtslage lohnt.
Die Erbschaftsteuer steht erneut auf dem verfassungsrechtlichen Prüfstand. Am 12. und 13. Oktober 2026 verhandelte das Bundesverfassungsgericht (BVerfG) in zwei Verfahren über zentrale Fragen des geltenden Erbschaftsteuerrechts. Die offiziellen Verhandlungstermine und Aktenzeichen lauten 12. Oktober 2026 für 1 BvF 1/23 und 13. Oktober 2026 für 1 BvR 804/22.
Wird bei einer GmbH eine verdeckte Gewinnausschüttung (vGA) angesetzt, kann nach § 32a Abs. 1 KStG auch ein bestandskräftiger Steuerbescheid des Gesellschafters geändert werden. Der BFH legt die Vorschrift weit aus: Sie erfasst nicht nur den Kapitalertrag aus der vGA, sondern auch mittelbare Folgen – etwa eine verdeckte Einlage in eine Schwestergesellschaft, die als nachträgliche Anschaffungskosten einen Auflösungsverlust nach § 17 Abs. 4 EStG erhöht. Materiell zieht der BFH aber klare Grenzen: Die verdeckte Einlage ist nur mit dem Teilwert der Forderung anzusetzen (BFH v. 08.09.2026 – IX R 16/25).